Kritik am Schiriwesen

Kritik am Schiriwesen ??!!

Ich stelle mir hier einfach mal die Frage, wie das Amt des Schiedsrichters im Handball angesehen wird und wie wirkt es nach außen hin für die Presse, Offizielle, Spieler, Zuschauer etc.

Warum beschweren sich so viele über die Schirileistung ? Was pfeifen die für ein Mist, heißt es. Sicherlich hat der ein oder andere von uns mal einen schlechten Tag erwischt, pfeift zu früh, zu spät oder auch mal gar nicht oder es fehlt an Fingerspitzengefühl für die eine oder andere Situation. Meine Schwäche, an der ich regelmäßig arbeiten musste, war die Impulsivität und Dominanz. Ich fühlte mit den gefoulten Spielern mit und hasste den Spruch vom erwischten Spieler: “ Ich war doch nicht mal in der Nähe” oder “ich habe doch nur den Ball gespielt” – dafür könnte ich dann gerne nochmals 2 Minuten verpassen.

Trotzdem habe ich mein Regelwissen stets parat, ohne nachschlagen zu müssen. In brenzlichen Situationen kann ich nicht erst in meinem Regelwerk nachlesen und dann entscheiden. Die richtige Entscheidung wird von mir sofort erwartet. Begehe ich eine Regelwidrigkeit, kann dies zu einem Einspruchsgrund führen. Das kann widerum Bußgelder für mich bedeuten und ein Spiel muß wiederholt werden, welches dann auch Geld kostet. Den Ärger mit dem Schiedsgericht möchte ich mir auch gerne ersparen. Also liegt es doch eigentlich im Sinne eines jeden Schiris, durch sehr gute Regelkenntnisse, sich auf dem Platz wohl zu fühlen, indem er mit dem Regelwerk “ spielen” kann. Mit der Erfahrung kommt dann auch das nötige Fingerspitzengefühl und das Auge für gewisse Spielsituationen.

Die meisten Kritiker haben sicherlich auch nicht das komplette Regelwerk im Kopf. Diese urteilen nur aus dem Bauch heraus und von einem Regelwissen aus der eigenen Spielzeit, die evtl. schon Jahre zurück liegt. Schließlich hatten wir erhebliche Regeländerungen und Ergänzungen in den Jahren 2002/3 , 2005,  2010/11 und nun zu 2016/17. Man sollte davon ausgehen, daß der Schiri das Regelwerk inne haben sollte. Ein jährlicher Leistungstest sollte dies eigentlich bestätigen. Bei der theoretischen Prüfung werden 30 von über 362 Fragen gestellt, wovon mind. 75% richtig beantwortet werden muß, Ich wäre echt gespannt, wieviele von Zuschauern und den anderen Motzköppen so eine Prüfung bestehen würden, die von sich behaupten, ein Spiel besser leiten zu können. Die Pfeife auf der Platte hat ja keine Ahnung, der hat den Schirischein im Lotto gewonnen !!! Gehst Du dann aber mal zu einem Nörgler hin, sprichst ihn an, warum er nicht pfeift, sagt er dann kleinlaut, daß er sich diesem Streß nicht aussetzen möchte.

Sicherlich gibt es Schiris die noch ein Tor zählen obwohl sich der Ball bei Abpfiff noch vor der Torlinie befand. Ebenso haben viele Schiris Probleme mit der Vergabe von mehreren Zeitstrafen am Stück, wann ist ein Abwurf fällig bei Torhüterkontakt und mit den neuesten Regeln bzgl 8:5, 8:6 und 8:10 mit/ohne Bericht. Durch regelmäßige Schulungen (z.B. in Hamburg) mit Pflichtteilnahme fordert man von den Einzelschiri in der Saison 1 Lehrabendbesuch und er muß mind. 5 Spiele leiten, sonst wird der Schein nicht verlängert. Das ist wohl doch eher nur eine Notlösung, sonst hätte man noch weniger Einzelschiris. Das gilt auch in vielen anderen Verbänden. Gespannschiris haben einen Halbzeitlehrgang und den Jahreslehrgang und muß mind. 12 Spiele im Jahr mit seinem Partner leiten. Persönlich meiner Meinung nach ist dies zu wenig. Es gibt viele andere Landesverbände und Bezirke, die mehr von ihren Schiris erwarten aber auch mehr bieten.

Da kommt doch die berechtigte Frage auf, ob die besagten Kritiker nicht zu Unrecht die Leistung mancher Schiris in Frage stellen……………………Ist es denn wirklich zuviel verlangt als aktiver Schiri die Regeln zu können ? Man wird doch mal in der Lage sein für sein Hobby auch mal unter der Woche abends nach und nach den Fragekatalog durchzuarbeiten. Es sind nun 362 Fragen, die man in ca 6 Stunden incl. Korrektur durchgearbeitet haben kann. Was mir in den letzten Jahren aufgefallen ist, das überwiegend nur die “Alten Hasen” durchfallen. Die, die schon über 10 oder 20 Jahren pfeifen, sind sich wohl so sicher, daß sie den Regelfragenkatalog auswendig kennen !? Oder woran liegt es sonst ??? Oder nehmen sie ihr Hobby nicht ernst genug ? Die Handballspieler trainieren für ihr Hobby auch 2-3 mal die Woche um fit zu sein und mit mehr oder weniger Erfolg auch aufzusteigen oder den Klassenerhalt zu bewahren. Auch die Spieler erwarten von uns, daß wir fit in der Regelkunde sind und auch ab bestimmten Ligen körperliche Fitness aufbringen sollten. Sicherlich kann nicht die unterste Liga mit BL-schiris rechnen, aber mit Schiris die die einfachste Regelkundeprüfung bestehen.

Mein Fazit für das Schiriwesen lautet: mehr Verantwortungsbewußtsein und Eigeninitiative für das Schiriwesen aufzubringen, da jedes Spiel das Recht hat korrekt geleitet zu werden. Es wäre toll, wenn alle an einem Strick ziehen würden und gemeinsam sich für das Schiriwesen stark machen könnten. Damit meine ich nicht nur die Verbesserung des Regelwissens, sondern auch um die Werbung und Förderung für neue Schirikollegen in den eigenen Vereinen. Fast alle LV´s haben erhebliche Nachwuchsprobleme.  Denn hier stellt sich dann das nächste Problem in den Raum: – dadurch, daß weniger Jungschiris zur Verfügung stehen, müssen die alten Hasen immer länger und auch öfters pfeifen. Daraus könnte auch ein bestimmtes Leistungsproblem resultieren. Aber mit am wichtigsten ist doch, um weitere Abgänge zu vermeiden, daß wir Schiris, ob alt und jung, uns in der Gemeinschaft wohl fühlen sollten. Der Zusammenhalt, und nicht die gegenseitige scharfe Kritik gegenüber, ist besonders wichtig. Wir sind doch für unser Wohlbefinden mit verantwortlich, das fängt untereinander an. Dann sollte auch der Verein sowie der Verband auf seine Schiris achten und fördern.

Mit sportlichen Grüßen  Heiko Meischt ( Bericht von 2014, ergänzt Jan 18)

 

Führungsteam der Schiedsrichter tritt komplett zurück

Großer Knall im Handball-Verband

Offenbach –  In der sonst so besinnlichen Adventszeit ist es im Hessischen Handball-Verband zu einem großen Knall gekommen. Von Stefan Moritz ( https://www.op-online.de/sport/lokalsport/grosser-knall-handball-verband-9481954.html op-online.de vom 28.12.2017) 

Ein schon seit eineinhalb Jahren schwelender Streit zwischen dem Verbandspräsidium und Verbandsschiedsrichterwart Peter Striebl und seinem Team ist eskaliert.

Wegen unüberbrückbarer Differenzen und mangelnden Vertrauens ist Striebl nach mehr als zehn Jahren im Amt von seinem Posten zurückgetreten. Aus Solidarität folgten dem Verbandsschiedsrichterwart aus Kiedrich bei Eltville am Rhein dessen Stellvertreter Engin Akbag (Kassel), Rocco Finger (TV Großwallstadt) als Verantwortlicher für die Nachwuchsförderung und Sally Kulemann (TSG Oberursel) als Verantwortliche für die Neulingsausbildung. Damit ist das Schiedsrichterwesen auf Hessenebene komplett führungslos.
„Das ist natürlich ein Riesenloch“, sagt Tobias Weyrauch, Vizepräsident Spieltechnik (Lich), der nun Nachfolger sucht und die Aufgaben kommissarisch übernimmt. Die Spitze des Schiedsrichterwesens ist zuständig für die Ansetzung der Schiedsrichter auf Landesebene, also in den Ober- und Landesligen der Männer, Frauen und Jugend. An einem normalen Spieltagswochenende sind 96 Spiele zu besetzen. „Glücklicherweise sind wir jetzt in der Feiertagspause und die ersten Spieltage 2018 am 13./14. und 20./21. Januar sind weitgehend besetzt. Wir müssen aber auch für den 20. und 21. Januar geplante Lehrgänge organisieren.“ Für die Woche zwischen den Jahren sind deshalb zwei Sitzungen angesetzt. „Da wollen wir über zwei Bewerbungen entscheiden und bei mir haben sich zwei weitere Interessenten gemeldet. Da müssten wir aber noch eine Lösung finden. Denn es geht natürlich nicht, dass sich aktive Schiedsrichter selbst ansetzen.“
Als Beauftragter für Nachwuchsförderung übernahm Finger fortan kommissarisch auch die Aufgaben des zurückgetretenen Lehrwarts Laible. Auf Betreiben von Verbandsschiedsrichterwart Striebl sollte Finger auch offiziell zum Lehrwart erklärt werden, Frank Sattler, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter der TSG Oberursel, zum Beauftragten für Schiedsrichter-Beobachtungen und Coaching werden und Stefan Ludwig (TV Großkrotzenburg) als Nachfolger von Finger zum Weiterbildungsbeauftragten. Diese Personalvorschläge aber wurden vom Präsidium dreimal abgelehnt.

„Dieses Team hat seit Anfang der Saison gut funktioniert, wurde aber abgelehnt, weil einzelne Leute vom Präsidium nicht gewollt waren“, sagt Striebl, „ich habe immer gesagt: Schaut es euch doch an, es läuft super. Springt doch mal über euren Schatten, wenn ihr gegen einzelne Personen etwas habt.“

Das Präsidium um Präsident Gunter Eckart (Brombachtal) blieb aber stur und forderte schließlich Striebl in einem Schreiben zum Rücktritt bis zum 27. Dezember auf mit der Androhung, anderenfalls seine Abberufung wegen „grober Verletzung der Interessen des Hessischen Handball-Verbandes“ einzuleiten. „Eine Unverschämtheit“, findet Striebl, mit dem dann dessen gesamtes Team zurücktrat und damit das aktuelle „Riesenloch“ in die Schiedsrichterspitze riss. Zuvor waren zudem Gerüchte aufgekommen um einen angeblich geplanten Streik der Schiedsrichter, um Striebl und Finger zu unterstützen. Einen Streik aber lehnt Striebl selbst entschieden ab. „Damit würde man doch nur die Vereine treffen und die können ja nichts für die verfahrene Situation.“

Versöhnlich äußert sich Vizepräsident Weyrauch: „Peter Striebl hat mit seinem Team gute Arbeit geleistet. Dass es so endet, ist sehr zu bedauern. Er wollte ohnehin zurücktreten, um noch in den Spiegel schauen zu können. Wenn man eine Personalie unbedingt durchsetzen möchte und das nicht kann, kann ich einen solchen Schritt auch verstehen“, sagt er, „wir haben jetzt natürlich viel Arbeit. Aber das ist jetzt halt so.“

Alle wollen gute Schiedsrichter. Zu Recht! Aber wie sieht die Wirklichkeit aus(kopiert von der homepage des Pfälzer HV am 25.06.17)

|Friedhelm Jakob| Quelle: https://pfhv.de/…/downloads/download/56-2017/1788-mb-2017-25

Liebe Freunde des Handballs,

in den letzten Wochen und Monaten stand nach Wochenenden selten das Telefon still. Nicht aber, um von gelungenen, erfolgreichen und schönen Handballspielen in unserem Jugend-Spielbetrieb zu berichten, sondern, um Vorfälle unschöner Art zu melden. Aus den zahlreichen Gesprächen, Emails und Rückmeldungen auf unsere Nachfragen, die teilweise sehr emotional waren, zeigt sich, dass die Probleme viel tiefer liegen und die zum Teil sehr krassen Fälle offenbar nur stellvertretend für die Entwicklung ist, die in vielen Hallen stattfindet.

Wohin geht der (Jugend-)Handball in der Pfalz?
Nach einem Vorfall in der weiblichen C-Jugend, der uns ereilte, in dem es darum ging, dass ein Jungschiedsrichter sich in der Halbzeit nicht mehr traute, alleine auf das Feld zurückzugehen, um das Spiel zu Ende zu leiten, wird im Nachgang hauptsächlich darüber diskutiert, ob die Ansetzung das Jungschiris den Anforderungen des Spiels entsprechend war. Es wurde von einer „unglücklichen Ansetzung“ gesprochen, in einer „so brisanten Partie“ einen „so unerfahrenen Schiedsrichter“ einzusetzen.
Äußerungen dieser Art rufen, milde gesagt, Erstaunen bei uns hervor, handelt es sich doch um Jugendspiele, die zudem in Spielklassen stattfinden, in denen auch die Ausbildung der Spieler noch nicht allzu weit fortgeschritten ist: Welche Schiedsrichter sollen hier eingeteilt werden? Und warum sind, Eurer Meinung nach, die Jungschiris so häufig mit der Spielleitung überfordert?

Setzen wir in Jugendspielen die „Alten“ an, sind sie den Vereinen zu alt – die kommen ja gar nicht mehr hinterher; die „Jungen“ sind zu unerfahren und den steigenden Anforderungen auch in den untersten Spiel- und Jugendklassen, Eurer Meinung nach, (noch) nicht gewachsen. Es ist uns nicht möglich, für jedes „brisante Spiel“ (von denen es neuerdings offensichtlich sehr viele in unserem Jugendspielbetrieb gibt!) einen Oberliga, Drittliga oder Bundesliga-Schiedsrichter abzustellen – und zur Schande erntet auch dieser Kritik, wenn er Einsatz für die Jugend im eigenen Verband zeigt.

WORUM GEHT ES EUCH IM JUGENDSPIELBETRIEB EIGENTLICH WIRKLICH?
Um den Gewinn der Weltmeisterschaft? Oder doch eher darum, dass KINDER Handball spielen und Freude am Ausüben ihres Sportes haben? WIR denken, es geht um letzteres. Das Gewinnen wird dann zum schönen Nebeneffekt und das Verlieren zum Lehrer fürs Leben.

Der Zusammenhalt, das Gemeinsame des Mannschaftssports und der Spaß an der Sache stehen im Vordergrund. Das schließt ALLE Kinder und Jugendlichen als TEIL des Spiels ein: Heim, Gast und Schiedsrichter! Sich als TEIL des Spiels fühlen zu können, nach dem Spiel nach Hause zu gehen und sagen zu können: „Das war heute ein toller Tag, ein schönes Spiel, wir haben GEMEINSAM SPORT betrieben.“ – DARUM GEHT ES WIRKLICH!

Wir fragen uns, ob Euch eigentlich bewusst ist, welche Aufgaben ein Schiedsrichter allein aufgrund seiner Rolle in jedem Spiel zu erfüllen hat; Und, welche Aufgaben ihm zusätzlich aufgebürdet werden, weil die übrigen Beteiligten keine Verantwortung mehr übernehmen wollen:
 Er hat dafür zu sorgen, dass der Spielbericht korrekt ausgefüllt ist. [Er muss den Beteiligten hinterher rennen, um alle möglichen Informationen, fehlende Pässe und Unterschriften einzutreiben.]
 Er hat zu prüfen, ob die Ausstattung der Spieler korrekt ist. [Er muss daran erinnern, dass Ohrringe ausgezogen, Klämmerchen abgeklebt sind und nicht „grün“ gegen „grün“ spielt mit grünen Offiziellen auf der Bank; die Technische Besprechung, in der das geregelt werden sollte, fällt nicht selten aus, weil die Verantwortlichen sich schlichtweg weigern.]
 Er hat das Spiel zu leiten, fair und gerecht auf beiden Seiten, fehlerfrei am besten; Er muss alle Aktionen angemessen und richtig ahnden. [Er muss übel foulende Spieler in den Griff bekommen, die es nicht besser gelernt haben; er muss wild gewordene Trainer im Zaun halten; er muss Konflikte zwischen Spielern und zwischen Trainern lösen – und das möglichst elegant, nicht arrogant! Er muss schauen, dass Z/S ihre Aufgaben erfüllen, schließlich ist er am Ende verantwortlich für Alles.]
 Er muss jederzeit jegliche Art von Kritik aushalten, die seine Leistung nicht beeinflussen dürfen.
 Er muss nach dem Spiel freundlich lächeln und mit dem Kopf nicken, während ihm noch mal so richtig die Meinung gegeigt wird.

Man bedenke hier zudem, dass der Schiedsrichter, da er häufig (unter anderem aufgrund des großen Mangels) als Einzelschiedsrichter agiert, der Einzige ist, der alleine ist, keine Mannschaft, keinen Trainer und keinen Betreuer hat, der das mit ihm zusammen durchsteht. Viele Erwachsene kommen nicht mal in ihrem normalen Leben mit solchen Anforderungen zurecht. Ihr erwartet aber von Jugendlichen (zwischen 13 und 17 Jahren), dass sie all dies lösen und aushalten.

In anderen uns zugetragenen Fällen wird immer wieder der Schutz der Spieler (vor rüden Fouls mit Verletzungsgefahr aber auch vor dem Verlieren aufgrund von Fehlentscheidungen) als Grund genannt, warum auf eine bestimmte Weise reagiert wurde bzw. warum man den jeweiligen Jungschiedsrichter für ungeeignet hält.
Wir sind definitiv für den Schutz der Spieler. Aber warum ist allein der Schiedsrichter dafür verantwortlich? Warum können die (erwachsenen) Trainer und Betreuer nicht auf ihre Mannschaften einwirken und mit ihren Spielern FAIRNESS besprechen und einüben? Warum können die Trainer nicht miteinander kommunizieren, um die Emotionen – die definitiv auch zu unserem schönen Sport gehören – wieder in angemessene Bahnen zu lenken? Warum muss ein Jugendlicher der Prellbock für all das sein, was wir Erwachsenen nicht regeln können?

Dass Jungschiedsrichter nervlich einbrechen, wenn so eine Verantwortung auf ihnen lastet und sie zusätzlich noch starkem Druck ausgesetzt sind, ist für uns kein Wunder. Wie gesagt, manche Erwachsene würden nach jedem Spiel in Tränen ausbrechen. Wir befürchten, dass die Dunkelziffer der betroffenen Jungschiedsrichter noch viel höher liegt, weil viele ihre Überforderung, Wut und Enttäuschung (an der sie sich nicht selten selbst die Schuld geben!) nicht vor Ort zeigen, sondern erst zu Hause im Stillen.

Es stellt sich uns letztendlich die Frage, ob denn nicht die Erwachsenen in der Bringschuld sind, den Kindern und Jugendlichen das, worum es wirklich geht, mit auf den Weg zu geben.
Ein anderer so geschehener Fall, bei dem ein Jungschiedsrichter von einem Elternteil während und nach einem Spiel bedrängt und bedroht wurde, bringt uns ins Zweifeln, ob die Erwachsenen ihrer Rolle noch gerecht werden. Ist es nicht unsere Aufgabe als Mannschafts- oder JSR-Verantwortliche, unseren Spielern und Jungschiedsrichtern Fairness, Menschlichkeit und einen respektvollen Umgang mitanderen beizubringen?
Manche Eltern sollten sich vielleicht überlegen, ob sie ihre Aggressionen nicht besser zu Hause oder im Wald loswerden. Anstatt Jugendliche, die eigentlich ihren Schutz verdienen, zu beleidigen, zu beschimpfen oder auch „nur“ über sie zu lachen. In was für einer Welt leben wir, wenn Jugendhandball zur Plattform solcher Affekte wird?

Kaum einer weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, Schiedsrichter zu sein. Und noch weniger wissen diejenigen, die sich so verhalten, was sie mit ihrem Verhalten anrichten. Wundert es euch ernsthaft, dass diesen Job keiner mehr machen will?
Wir kämpfen seit Jahren mit viel Einsatz um Nachwuchs im Schiedsrichter-Bereich. Vorfälle wie diese machen diese Arbeit zunichte!

Es geht uns nicht darum, unsere (Jung-)Schiedsrichter als unfehlbar darzustellen. Kritik ist erlaubt und erwünscht, Emotionen gehören zum Spiel und machen den Sport aus. Worum es uns geht, ist zum Nachdenken anzuregen und für ein besseres Miteinander, für mehr Wertschätzung, Respekt und Menschlichkeit in dem Sport zu sorgen, den wir alle lieben und der uns verbindet.

Thorsten Kuschel, Schiedsrichterlehrwart im PfHV Mai 2017

 

Eine nette Geschichte kursiert seit einigen Wochen durchs Internet:
Das Vorbild der Woche vom 15.10.2009 (Gefunden in Buxtehude)

auf die Schiedsrichter schimpfen kann jeder, aber bekommen wir so bessere Schiedsrichter? Schlimmer noch: Werden künftig überhaupt noch Menschen bereit sein zum Pfeifen? Das erste, was junge Schiedsrichter bei ihren allerersten Einsätzen hören, sind empörte Zuschauer, meist Eltern von den Kindern, deren Spiel sie leiten. Und die ihnen den Spaß am Pfeifen ganz schnell vermießen. Das ist ein Problem in allen Sportarten, auch beim Handball. Und es wiederholt sich an nahezu jedem Wochenende in allen Hallen, natürlich auch in Buxtehude.Lars Hoffmann vom TVB Hamburg hat jetzt in der Buxtehuder Halle einen bemerkenswerten Beitrag geleistet. Er war Betreuer im Spiel der männl. F-Jugend. Das Spiel wurde – wie in der F-Jugend üblich – von jungen Schiedsrichtern des Heimvereins geleitet. In diesem Fall Björn (15) und Simon (15), die gerade ihren Schiedsrichterschein gemacht haben und nun erste Erfahrungen sammeln sollen. Dass in solchen Fällen kein fehlerfreies Spiel von den beiden „Anfängern“ zu erwarten ist, versteht sich eigentlich von selbst. Doch die Eltern im Gäste-Block schimpften bald schon wie die Rohrspatzen. Was tat Betreuer Hoffmann? Er zückte Mitte der 2. Halbzeit die Grüne Karte für ein einminütiges Team-Time-Out. Doch seine Jungs, die sofort in Erwartung neuer Instruktionen auf ihn zustürmten, die ließ er links liegen. Schnurstracks ging es über das Spielfeld zur Tribüne und sprach mit „seinen“ Eltern. Tenor: Hier pfeifen junge Schiedsrichter, die ausgebildet werden sollen. Wer es nicht ertragen könne, dass diese junge Schiedsrichter bei der Spielleitung Fehler machen, der möge auf der Stelle die Halle verlassen. Sprach’s und ging zurück zu seiner Trainer-Bank.Unser Vorbild der Woche, Lars Hoffmann. Es muss – auch bei den Eltern – ja nicht immer gleich die gelbe oder rote Karte sein. Wir sehen – manchmal tut es auch die Grüne. Aber wir alle müssen unsere Schiedsrichter schützen, insbesondere unsere Jüngsten. Sonst stehen künftig nur noch Mannschaften in der Halle ohne Schiris. Wie die(selben) Eltern dann wohl schimpfen…In diesem Sinne: Zivilcourage ist auch in der Handballhalle gefragt. Auch Eltern dürfen gerne andere Eltern darauf hinweisen, dass andauerndes Gemecker keine Lösung ist. Wenn Ihr mit der Schiedsrichterleistung unzufrieden seid, sprecht Eure Abteilungsverantwortlichen an, die werden berechtigte Kritik an die richtigen Stellen weiterleiten. Und vielleicht kommt doch einmal ein Elternteil auf die Idee, den Schirischein zu erwerben um selbst Erfahrungen zu machen, wie schwer der Anfang eines Jungschiris ist !!!

 

Weitere “ Vorbilder “, warum es weniger Schiedsrichter werden, zeigt dieses Kündigungsschreiben der beiden Kollegen:

Sehr geehrte Vereinsvertreter, liebe Handballfreunde, hiermit geben wir, Gerhard Flammer und Wolfgang Kramer, den Rücktritt von unseren Ämtern als Schiedsrichterwart bzw. des stellvertretenden Schiedsrichterwarts bekannt. Die Gründe sind vielschichtig und haben sich über einen längeren Zeitraum aufgestaut. Ein ganz wesentlicher Faktor ist aber, dass sich die Aggressionen und Respektlosigkeit seitens der Vereine (Trainer, Betreuer, Offizielle), und auch der Zuschauer gegenüber uns Schiedsrichtern derart verstärkt haben, dass dies so nicht mehr hinnehmbar und akzeptabel ist. Seit Jahren wird auf diese Problematik hingewiesen und darüber diskutiert. Es wurden vergebliche Initiativen wie „das Jahr des Schiedsrichter“ ergriffen, die aber keinerlei Verbesserungen oder Auswirkungen gezeigt haben, im Gegenteil. Die Beleidigungen und vor allem die tätlichen Übergriffe haben sich gehäuft. Wenn wir Neulinge und Jungschiedsrichter noch nicht einmal bedenkenlos zu einem C-Jugendspiel einsetzen können und befürchten müssen, dass diese jungen Menschen von fanatischen Eltern oder Vereinsangehörigen angegangen werden, dann finden wir hierfür keine Worte mehr. Wann und wo sollen wir unsere Nachwuchsschiedsrichter denn überhaupt noch einsetzen, wenn nicht in der untersten Spielklasse, die überhaupt von offiziellen Schiedsrichtern geleitet wird. Hier hat uns leider die Unterstützung der Vereinsverantwortlichen gefehlt, uns Schiedsrichter zu schützen oder auch ggf. einen ausfälligen Zuschauer oder Vereinsangehörigen in die Schranken zu weisen. Den jeweiligen Eltern wird die Problematik meistens erst bewusst, wenn ihre eigenen Kinder Ziel derartiger Angriffe sind. Als letztes Mittel, auf diese unwürdige Misere hinzuweisen, sahen wir schließlich nur die Möglichkeit zurückzutreten, auch um damit ein Zeichen zu setzen. Wir möchten unsere Freizeit nicht mehr für Personen und Vereine investieren, die uns als Institution Schiedsrichter, beleidigen oder sogar tätlich angreifen und sich nicht im Geringsten um Anstand und Respekt kümmern. Unsere Arbeit dient hauptsächlich der Aufrechterhaltung des Spielbetriebs, das sollte man sich wieder mal vor Augen halten. Ein umgängliches Miteinander funktioniert nur mit gegenseitigem Respekt und Akzeptanz. Hierzu gehört nun mal, dass falsche Einschätzungen von Spielsituationen oder Fehler der Schiedsrichter, die es immer und in jedem Spiel geben wird, akzeptiert werden müssen, genauso wie Spieler und Trainer in jedem Spiel unzählige Fehler begehen und diese hingenommen werden müssen. Wo kämen wir hin, wenn im Gegenzug die Schiedsrichter einem Spieler, der gerade eine klare Torchance vergeben hat, sagen würden, wie unfähig er doch ist. Wir möchten uns bei all denjenigen bedanken, die unsere Tätigkeit unterstützt und uns positiv begleitet haben. Mit sportlichen Grüßen Wolfgang Kramer, Gerhard Flammer Stellv. Schiedsrichterwart, Bezirk Offenburg-Schwarzwald

 

Ein Vorurteil gegenüber weibliche Schiedsrichter- gebt ihnen doch erst einmal die  Chance !!!   (Bericht von der Handball-Queen)

Im Juli ´12 gaben die Schiedsrichterinnen Svenja Maczeyzik und Sophie Metzlaff mir ein Interview und sprachen dabei unter anderem über die Probleme, denen sie als Frauengespann ausgesetzt waren. Mangelnder Respekt und der Kampf um Akzeptanz zum Beispiel.Die beiden jungen Frauen pfeifen seit fünf Jahren zusammen – als eines der seltenen weiblichen Schiedsrichtergespanne, die es gibt: „Ich denke, es liegt daran, dass viele Frauen mit dem Druck nicht klar kommen würden – und sich dem gar nicht erst stellen wollen. Das ist auch für uns manchmal schwer, aber wir kämpfen uns da durch.“ Mit Erfolg. Seit dieser Saison dürfen sie auch in der 3.Liga Frauen pfeifen, sie haben sich weiterentwickelt in den letzten Jahren, wie Svenja und Sophie mir gegenüber selbst sagten. Durch Zufall habe ich das Gespann Maczeyzik/Metzlaff in Hamburg wieder gesehen – bei einem Männerspiel der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein. HG Hamburg/Barmbek vs. St. Pauli, der Tabellenletzte gegen den Tabellenneunten – purer Abstiegskampf. Ich habe mir bereits das Landesliga-Spiel vorher angesehen und kam dabei mit der Teamkoordinatorin der 1. HGHB-Männer ins Gespräch. Und die echauffierte sich gleich heftig: „Julia, weißt du eigentlich, wer uns nachher pfeift? Irgend so ein 17-jähriges Frauengespann aus Schleswig-Holstein. Die kann man doch nicht im Abstiegskampf ansetzen – sollen sie sich doch ein anderes Spiel aussuchen, wenn sie sich profilieren wollen.“Ähm, hallo?! Geht’s noch? Wie wäre es mit ein bisschen Zurückhaltung? Pfeifen sie etwa deshalb schlecht, weil sie Frauen sind? Oder deshalb, weil sie dazu auch noch jung sind? Ganz bestimmt nicht! Doch so schien nicht nur die Teamkoordinatorin zu denken – auch im Pauli-Tross, der eine Stunde vor Anpfiff in der Halle eintrifft, wird sofort gelästert. „Ey, wir haben heute zwei 16-jährigen Schiedsrichterinnen“, macht sich der Spieler lustig. „Tja, kann man auch nichts machen“, ist die Antwort eines anderen. Mensch, Männer (und Frauen!), gebt den beiden jungen Schiedsrichterinnen doch erst einmal eine Chance! Anstatt euch sofort lustig zu machen, wartet doch erst einmal ab, was für eine Leistung die beiden bringen! Auch Frauen können pfeifen! Es geht mir nicht darum, „Artenschutz“ für weibliche Schiedsrichter zu fordern. Wenn jemand – egal ob Mann oder Frau – schlecht pfeift, soll das auch gesagt werden (dürfen). Kritik gehört für Schiedsrichter genauso wie für Spieler dazu! Doch eine solche Vorverurteilung, wie es in der Barmbeker Halle der Fall war, ist einfach nur ungerecht! Ohne, Svenja und Sophie zu kennen (denn das tat keiner, was die „Lästerer“ auch offen zugaben), wurden die beiden zu „Mädchen“ herabgesetzt und ihnen ihr Können abgesprochen. Das darf nicht sein! Gibt es irgendeinen männlichen Schiri, der sich wegen seines Geschlechts oder seines Alters derart herablassend empfangen lassen muss?Wie ging es an diesem Abend weiter? Das schlechteste in den folgenden sechzig Minuten waren auf keinen Fall die beiden Schiedsrichterinnen. Das sahen einige Pauli-Fans zwar anders, die – je länger das Spiel dauerte und je weiter der Sieg für ihre Mannschaft in die Ferne rückte – immer ausfallender wurden. Mein „Lieblingssatz“ des Chauvis, der neben mir saß: „Zeit! Das ist Zeit! Guck mal auf die Spielzeit, Baby!“ Ich kann mich nur wiederholen: Ähm, hallo?! Geht’s noch? Es war keine fehlerfreie Leistung des Gespanns Maczeyzik/Metzlaff, es waren einige „Zinken“ drin – doch schlechter als ihre männlichen Kollegen machten sie es auch nicht. Es war eine solide Leistung, wie sie jedes Wochenende tausendfach in ganz Deutschland abgeliefert wird.Doch irgendwann setzte dann auch bei den Hardcore-Paulianern die Erkenntnis ein: Es sind nicht die Schiedsrichterinnen, die dutzende technische Fehler machten, hundertprozentige Torchancen vergaben und in der Abwehr echt besch*** standen… und so die Verantwortung für die bittere 24:33-Pleite trugen. Und nach dem Spiel gab sogar die Teamkoordinatorin der HGHB auf meine Nachfrage („Und was war jetzt an diesem Gespann im Abstiegskampf so schlimm?“) zu: „Das war besser, als ich erwartet habe.“  Danke! (Julia Nikoleit)
Svenja und Sophie haben sich 2013 unterdessen in der 3.Liga etabliert !!!  Glückwünsche auch von mir und 2016 durfte ich auch eine Vereinsbeobachtung beider vornehmen !! (Heiko)

Mein Fazit aufgrund der vorgenannten Situationen, warum die Kritik am Schiriwesen u.a. berechtigt ist, erstellt sich daraus:

  • mangelnde Interesse an der eigenen Weiterbildung
  • mangelnde Angebote zur Weiterbildung/Förderung vom Bezirk, Landesverband
  • fehlende qualifizierte Coaches
  • Gegenüber Innovationen steht man sehr skeptisch gegenüber und ist nicht bereit ein Versuch zu starten. Stattdessen werden lieber Verbote ausgesprochen.
  • Interessenskonflikte zwischen Präsidium und Schiedsrichterausschuss
  • Fehlende Unterstützung von Verantwortlichen
  • Verbale Entgleisungen auf die Schiedsrichter und fehlende Unterstützung/Schutz der Heimvereine
  • Personalprobleme, die Stellen/Ämter den Fähigkeiten entsprechend zu besetzen
  • Finanzielle Unterstützung fehlt an allen Ecken und Enden
  • Vorurteile sind schwer abbaubar
  • Fehlende Wertschätzung und Respekt von Außen für das Schiriamt

1 thought on “Kritik am Schiriwesen”

  1. Alte Zöpfe muss man abschneiden, um neue Ideen umsetzen zu können.
    Folgende Strukturen sind notwendig:
    – Ein Schiedsrichterausschuss, der von den aktiven Schiedsrichtern gewählt und nicht vom Präsidium bestimmt wird.
    – ein SR-Lehrkonzept, das der Lehrkörper im 4-Wochen-Rhythmus (während der Saison) seinen anvertrauten SR lehrt und aktuelle und spezifische Situationen händelt und darauf hinweist.
    – Lehrgangsinhalte frühzeitig mitteilt. Anforderungen können so rechtzeitig antrainiert werden. Sei es in Theorie oder im konditionellen Bereich.
    – Anwärterförderungsmaßnahmen, indem man die Vereine in die Pflicht nimmt, Ihnen Perspektiven aufzeigt und auch vor Ort Lehrabende und
    praktische Hilfe anbietet.
    – finanzielle Ausstattung der betreffenden SR-Resorts, um wirkungsvoll aktiv werden zu können.
    – SR-Ansetzer, die sich der Brisanz einzelner Spiele zu eigen machen und dementsprechend agieren.
    – Leistungstest, die SR in die richtige Laufbahn bringen, um entsprechendes Leistungsvermögen abrufen zu können. Das dient auch zu mehr Akzeptanz auf der Spielfläche.
    Fazit: Neue Köpfe beleben das SR-Wesen. Doch woher nehmen?
    In jedem Verein gibt es fachkundiges Personal, das nur angesprochen und motiviert werden muss, diesen Aufgabenbereich zu besetzen, damit Handball nicht nur mit guten Mannschaften, sondern auch mit interessierten und gut ausgebildeten SR ausgestattet ist.

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