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HHV Lehrmaterial

IHF Guidelines 2018  (IHF Guidelines 2018 PDF Download
Die IHF hat einige wichtige Regelanpassungen vorgenommen bzw. die bisherigen Regelinterpretationen schriftlich festgehalten. Diese sind jetzt somit im geltenden Regelwerk implementiert und treten ab 1. Juli 2018 in Kraft. Auf dem ersten Blick scheinen die Anpassungen unbedeutend zu sein, doch bei genauer Betrachtung kommt es in zwei Fällen (die letzten 30 Sekunden – Ball nicht im Spiel und klare Torgelegenheit bei leerem Tor) sogar zu gravierenden regeltechnischen Änderungen. Bevor wir auf die einzelnen Stellen genauer eingehen, ist vorab festzuhalten, dass die neuen Interpretationen absolut logisch und sinnvoll sind.

3-Meter-Abstand in den letzten 30 Sekunden
Bisher war es gemäß Regel 8:10c nur dann möglich einen 7-Meter und Rote Karte zu geben, wenn der Ball durch den ausführenden Spieler noch nicht ausgeführt wurde, d.h. nur dann, wenn der Ball nicht im Spiel war. An folgenden zwei Beispielen
sollen die regeltechnischen Auswirkungen der Regel bis 30. Juni 2017 erläutert werden:
Beispiel 1
Spielzeit 59:45. Freiwurf Team A in der eigenen Spielhälfte. A11 möchte den Freiwurf schnell ausführen, um den Mitspieler A5 anzuspielen, welcher sich bereits in der gegnerischen Spielhälfte befindet und eine gute Torwurfsituation erlangen könnte. Um das zu verhindern hält der Spieler B7 den freiwurfausführenden Spieler A11 fest, damit dieser nicht abspielen kann. Da diese Situation in den letzten 30 Sekunden einer 2. Halbzeit stattfindet, der Ball noch nicht im Spiel ist, lautet die richtige Entscheidung der Schiedsrichter 7-Meter-Wurf für Team A und Rote Karte für den Spieler B7.
Beispiel 2
Situation wie oben, nur der Spieler B7 hält den freiwurfausführenden Spieler nicht fest, sondern blockt den bereits abgespielten Ball indem er sich 1,5 Meter vor dem Werfer A11 aufstellt. Hier war bisher die Anwendung der Regel 8:10c nicht möglich, da der Ball bereits abgespielt wurde und somit im Spiel war. Die bisher vorgesehene Strafe war eine Hinausstellung von B7 und Freiwurf für Team A.
An diesen zwei Beispielen kann man die bisherige „Ungerechtigkeit“ dieser Regel erkennen. Obwohl in beiden Situationen das Verhalten des Spielers B7 die gleiche Auswirkung auf den Spielverlauf hatte, mussten die Schiedsrichter bisher unterschiedliche Entscheidungen treffen.
Diese unterschiedliche Behandlung wurde durch die IHF mit der Anpassung vom 1. Juli 2018 aufgehoben.
Der neue Regelabsatz lautet in der originalen englischen Version wie folgt: If the throw, for example, is executed but blocked by a player standing too close and actively destroying the result of the throw or disturbing the thrower during the execution, Rule 8:10c must also be applied.
Somit gilt ab sofort: Auch bei ausgeführtem Wurf kann die Regel 8:10c angewendet werden, wenn der Gegenspieler bei der Wurfausführung zu nahe gestanden ist UND durch das aktive Verhalten das Ergebnis der Wurfausführung beeinflusst hat, das Abstandsvergehen ist jetzt nicht mehr pauschal ausgenommen.
Fazit: Wenn in den letzten 30 Sekunden ein Wurf ausgeführt ist und von einem zu nahestehenden Spieler geblockt wird, der das Wurfergebnis aktiv zerstört oder den Werfer während der Ausführung stört, ist die Regel 8:10c ebenfalls anzuwenden.

Das leere Tor – Spielfortsetzung
Diese Regelanpassung scheint auf den ersten Blick unbedeutend zu sein, bei genauer Betrachtung wurde auch hier eine wichtige Regelanpassung vorgenommen. Bisher galt in der Interpretation unseres Regelwerkes der Grundsatz, dass während des Spieles (ausgenommen in den letzten 30 Sekunden) ein Vergehen nach einer Wurfentscheidung (z.B. Freiwurf, Einwurf) nicht zu einem anderen Wurf führen kann, falls der ursprüngliche Wurf noch nicht ausgeführt wurde.
Beispiel 3
Spielminute 15:30. Torwart von Team B befindet sich noch im Auswechselraum (Team B mit 7 Feldspielern). Nach einer Freiwurfentscheidung für Team A, ca. 25 Meter vom gegnerischen Tor entfernt, möchte Spieler A11 den Freiwurf so ausführen, in dem er direkt auf das leere Tor wirft. Spieler B3 möchte das unterbinden und hält den Spieler A11 von vorne fest, damit dieser nicht abspielen kann.
Nach der bisherigen Regelauslegung lautete in diesem Fall die richtige Entscheidung progressive Bestrafung gegen Spieler B3 sowie Freiwurf für Team A, da der Ball noch nicht im Spiel ist. Nach der neuen Regelauslegung ist im Beispiel 3 die richtige Entscheidung: 7-Meter-Wurf für Team A und progressive Bestrafung für Spieler B3.
Mit der Aktualisierung der IHF Guidelines wurde für diese bestimmte Situation – Empty Goal – somit eine Ausnahme vom im ersten Absatz genannten Grundsatz geschaffen. Die neue Regelauslegung lautet in offizieller englischer Textversion wie
folgt: The definition of a clear chance of scoring in situations described in Clarification 6c when there is a clear and unimpeded opportunity to throw the ball into the empty goal requires that the player has possession of the ball and clearly attempts to shoot directly at the empty goal. This definition of a clear chance of scoring applies regardless of the type of violation
and whether the ball is in or out of play, and any throw is to be executed from a correct position of the thrower and teammates.
Generell gilt die Definition einer klaren Torgelegenheit gemäß der in Erläuterung 6c beschriebenen Situation, es muss eine klare und ungehinderte Möglichkeit vorliegen, den Ball ins leere Tor zu werfen, was verlangt, dass der Spieler Ballbesitz hat und eindeutig versucht, direkt auf das leere Tor zu werfen.
Diese Situation gilt als klare Torgelegenheit, bei allen Arten von Verstößen, ob der Ball im Spiel ist oder nicht und jedem Wurf, der bei korrekten Positionen des Werfers und seiner Mitspieler ausgeführt wird.

Betreten der Spielfläche bei 2 oder mehr verletzten Spielern der gleichen Mannschaft
Bisher galt die Regel, dass bei einem verletzten Spieler max. 2 zusätzliche Personen der betroffenen Mannschaft, nach der erteilten Erlaubnis durch den Schiedsrichter (Handzeichen 16), die Spielfläche betreten durften. Diese Regel bleibt auch weiterhin bestehen. In der neuen Regelinterpretation wurde aber nun auch die Situation berücksichtigt, dass zwei oder mehrere Spieler derselben Mannschaft, gleichzeitig am Spielfeld verarztet werden müssen (z.B. nach einem Zusammenstoß zweier Spieler der eigenen Mannschaft). Jetzt dürfen pro verletzten Spieler max. 2 zusätzliche Personen die Spielfläche zum Zwecke der Behandlung die Spielfläche betreten. Weiterhin müssen die Schiedsrichter die Freigabe zum Betreten der Spielfläche erteilen.

 

Gegenstoß – Zusammenprall mit dem Tormann
An dieser Stelle wurde seitens der IHF festgehalten, dass ein Vergehen des Tormannes gemäß dem Kommentar zur Regel 8:5 (Zusammenstoß mit dem Gegenspieler beim Verlassen des eigenen Torraumes) nicht gilt, wenn sich der Tormann und der betroffene Gegenspieler in die gleiche Richtung bewegen.
Beispiel 4:
Der Torwart A1 betritt die Spielfläche aus dem Wechselraum und versucht den Gegenstoßpass von Team B abzufangen. Er rennt dem Ball in Richtung seines eigenen Torraums nach und kollidiert mit dem Spieler B3. Sowohl der Torwart A1 und Spieler B3 laufen in die gleiche Richtung.
Die Schiedsrichter können hier zwar aufgrund anderer Kriterien der Regel 8 die entsprechende Entscheidung treffen, sollen sich aber nicht automatisch auf den Kommentar zur Regel 8:5 letzter Absatz berufen.
Das bedeutet, für das oben angeführte Beispiel findet folgende Regelstelle keine Anwendung:  Regel 8:5 Regelwidrigkeiten, die mit einer Disqualifikation zu ahnden sind …
Dies gilt auch, wenn ein Torwart den Torraum verlässt um den für den Gegenspieler gedachten Ball abzufangen. Er trägt die Verantwortung dafür, dass dabei keine gesundheitsgefährdende Situation entsteht.

 

Passives Spiel – zählen der Pässe ( siehe Tabelle )
Hier gab es keine Änderung bzw. Anpassung des Regelwerkes. Es wurde lediglich noch einmal betont, dass nach dem Anzeigen des Vorwarnzeichens für das passive Spiel ein vom Verteidiger geblockter Ball, welcher zum Angreifer oder zu einem Mitspieler des Angreifers zurückkommt, als ein Pass gezählt wird.
Das war bisher auch so im Regelwerk festgehalten, allerdings gab es aufgrund der Formulierung im Regeltext einige Unklarheiten. Im Regeltext steht nämlich: Nicht als Pass gezählt wird: Ein Wurfversuch, der vom Gegner geblockt wird. Allerdings wird in der Aufzählung bestimmter Situationen bereits im Regelbuch 2016 klargestellt, dass ein zum Angreifer zurückgelangter Ball einen zählbaren Pass im Sinne der Regel darstellt. (s. entsprechende Abbildung im Regelwerk Punkt 13 und 14). Dieser Umstand wurde mit der Aktualisierung der Guidelines noch einmal bestätigt.
Achtung! Weiterhin gilt: Ein geblockter Ball, der ins Seitenaus gelangt, ist kein zählbarer Pass, obwohl der Ball wieder im Besitz der angreifenden Mannschaft ist (s. Abbildung Punkt 12).
Ebenfalls gilt weiterhin der Hinweis der Erläuterungen, dass ein nach dem 6. Pass erfolgter, geblockter Torwurf einen weiteren Pass ermöglicht (Erläuterungen 4, D3b beide Absätze.)
Fazit: Wenn ein Torwurf geblockt wird und zurück zum Spieler oder einem Mitspieler geht, zählt dies als Pass.

 

Verstöße gegen die Regeln 4:7 und 4:8
Hier wurde noch einmal die bisherige Interpretation bestätigt, dass Verstöße gegen die Regeln 4:7 und 4:8 nicht zum Ballverlust führen können.
In der Regel 4:7 sind in erster Linie die Farben der Trikots geregelt, in der Regel 4:8 die Nummerierung der Trikots.
Beispiel 5
Spieler A5 wird in der 15. Spielminute eingewechselt. Da seine Mannschaft nicht genügend Trikots hat, wurde ihm ein alter Dress zur Verfügung gestellt. Hier ist die Nummer auf der Rückseite leider nicht gut ersichtlich. Der Delegierte unterbricht das Spiel, nachdem er diesen Regelverstoß gesehen hat. Zu diesem Zeitpunkt war Mannschaft A im Ballbesitz. Hier ist lediglich der Spieler aufzufordern, die Spielfläche zu verlassen. Weder der Mannschaftsoffizielle A noch der Spieler A5 bekommen eine Strafe. Mannschaft A bleibt im Ballbesitz. Spieler A5 darf die Spielfläche erst wieder betreten, nach dem die Nummerierung des Trikots dem Regelwerk entspricht.
Ein Verstoß gegen die Regeln 4:7 und 4:8 führt nicht zu einem Wechsel des Ballbesitzes. Es kommt nur zur Unterbrechung des Spiels, der Spieler wird aufgefordert den Fehler zu korrigieren und Spielfortsetzung mit Wurf für die Mannschaft, die im Ballbesitz war.

Stephan Kamp für den Hamburger Handball-Verband, 20.08.2018

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