E-learning für Handballschiedsrichter

Erstmalig hörte ich 2012/13 auf dem Schiri-Sommerlehrgang ein Referat von Erik Wudtke, der dieses Thema vortrug. Hochinteressant gewesen, aus seiner Sicht mal zu erfahren, wie er sich die Kommunikation zwischen sich und dem Schiri wünscht, und wie es in der Realität aussieht. Tenor von Erik, den ich heute noch so in Erinnerung habe ist der gewesen, dass der Schiri die sportlichen Emotionen auf der Bank zulassen sollte. Handball lebt von diesen Emotionen. Ignoriere niemals arrogant den Trainer. Ein sportliches Miteinander sollte nicht nur vor dem Spiel stattfinden, sondern auch während und nach dem Spiel, wobei der Schiri nach dem Spiel konstruktive Kritik annehmen sollte, aber auch umgekehrt.

Wie kann eine perfekte Kommunikation zwischen dem Schiri und dem Mannschaftsverantwortlichen aussehen ? Worauf sollte man achten ? Aber auch der Unterschied von Bezirk und Bundesliga ist enorm. Hier wächst auch der Schiedsrichter mit dieser Aufgabe. Ein “ Kochbuch “ im perfekten Umgang kann man nicht so einfach präsentieren. Es sind in erster Linie die Menschenkenntnisse gefragt, die ein junger Mensch noch nicht hat. Jeder Trainer ist auch unterschiedlich gestrickt. In den Folien geht man auf Kommunikation, Körpersprache, unterschiedliche Trainertypen ein aber auch auf die äußeren Einflüsse und den dadurch entstehenden Druck, den der Schiri bewältigen muß. Aber was ich schnell gemerkt hatte an der Basis war ( bis Oberliga), dass viele Probleme erst nicht entstehen würden, wenn der Trainer regelfit wäre. Viele Proteste entstehen aus der Regelunkenntnis. Das wäre meine Hauptkritik an die Trainer !
Sicherlich fängt das Abtasten des Trainers schon vor dem Spiel an. Er weiß i.d.R wer die Spielleitung übernimmt. Meist kennt man sich schon und der Trainer kennt die Marotten des Schiris und kann so sein Team einstimmen. Aber auch der Schiri kennt seine Spezis an Spielern und Trainern ! Schon bei der Begrüßung per Handshake wird der erste Kontakt geprüft ( lappriger oder fester Handgriff, sicherer oder unsicherer Blickkontakt, Körpersprache). Kurzer Smalltalk sollte mit beiden Teams etwa gleich lang sein, sonst könnte der Eindruck bei Ungleichheit eine gewisse Parteiigkeit entstehen. Dies ist leider gerade an der Basis schwer einzuhalten, da man sich auch oftmals privat kennt. Hier also mit Fingerspitzengefühl arbeiten.

An der Basis geht es i.d.R nicht um finanzielle Interessen. Der Trainer muß nicht um seinen Kopf bangen, wenn es um den Abstieg geht oder mehrere Spiele verliert. Hier zählt oftmals noch der sportliche Gedanke ohne Geld.
Auf DHB Ebene sieht dieses Verhältnis anders aus schreibt BL-Trainer Max B. ( wird mir immer wieder bei Gesprächen mit anderen DHB Trainern bestätigt, die das folgende bestätigen) :
„In der Bundesliga ist es bei den meisten Trainern der Hauptjob, über den die Einkünfte generiert werden. Bei schlechter Leistung trifft es den Trainer härter als den SR. Der SR kann sich selbst und wird vom Verband vor dem “bösen“ Trainer geschützt. Aber wer schützt den Trainer vor dem “bösen“ SR? Der Job des Trainers lebt von der Emotion. Auch als Zeichen nach außen (Fans/Sponsoren/Vorstand). Der Job des SR „beinhaltet“ keinerlei Emotionen. Das Ziel sollte es jetzt sein, wenn ich mich in die Rolle des SR versetze, ein Spiel also emotionslos und neutral zu leiten und sowohl Trainern, als auch Spielern auf einer Ebene begegnen. Gleichzeitig ist es kein Zeichen von Schwäche, einen Fehler zuzugeben. Es zeigt eher: “Hey, ich will beide Seiten gleich behandeln. Gerade ist es mir nicht gelungen. Tut mir leid!“ Genau das, ist meiner Meinung nach das größte Problem, dass es einfach zu selten eine klare Linie im Spiel der SR gibt. Gerade am Wochenende bei unserem Testspiel gegen ist es wieder passiert. Ich weiß, dass es schwierig ist, genau zu erkennen, war der Stoß zu doll oder hatte der Angreifer einfach zu wenig Körperspannung? War der Abwehrspieler noch außerhalb des 6m und wurde dann in den Kreis geschoben oder war es Abwehr durch den Kreis? Hat der Kreisläufer zuerst den Abwehrspieler gehalten oder andersrum? Bei diesen Aktionen würde ich mehr Kommunikation erwarten. Das den Spielern und Trainern genau klar ist, bis hier hin ist es noch ok, da nicht mehr. Dabei muss der SR zwingend die Freundlichkeit bewahren und sich in die Emotion des Spielers/Trainers versetzen. Abstiegskampf? Derby? Meisterschaft? Wieviel bereitet sich ein SR auf das Spiel am Wochenende vor? Guckt der Video? Ist er fit? Aufgrund der unterschiedlichen Grundvoraussetzungen und der emotionalen/unemotionalen Aufgabe, sollte es dem SR mittels guter Kommunikation immer möglich sein eine gute Spielleitung und Moderation auf dem Feld zu gewährleisten und sollte da in Vorleistung gehen. Dann gehen Spieler und Trainer automatisch den gleichen Schritt auf den SR zu. Am Freitag bei unserem Spiel gegen die US Nationalmannschaft haben die beiden Mädels, die uns gepfiffen haben, genau das vorgelebt und es hat wunderbar geklappt, auch wenn wir verloren hatten.!“

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Scroll Up aktuell vom 18.10.2019