Rahmentrainingskonzeption (Seite im Aufbau-neu 6.4.20)

Ich sammel hier erst ein paar Gedanken

 

Der DHB gibt seine RTK als Richtlinie den Landesverbänden in die Hand. Und hier kann nun jeder LV sein eigenes “ Süppchen kochen“. Einige  LV´s haben andere Vorgaben z.B beim Angriff oder die Bewertung vom Spielergebnis.
Ich persönlich habe mich jahrelang seit der RTK Einführung gestreubt noch Jugendspiele bis zur B-Jugend zu leiten. Diesen zusätzlichen Stress wollte ich mir nicht mehr antun. Aber seit dem ich Schiriobmann beim AMTV bin, mußte ich mich zwangsweise dem Thema für meine Jungschiris widmen. Und ich pfeife nun liebend gerne unsere Kleinen. 
Als Schiri ist diese RTK eine Zusatzbelastung und für die Kinder eine Bereicherung.

Wenn Jungschiris in ihrer praktischen Aus- und Weiterbildung die Kinderspiele leiten, ist dies eine besonders anspruchsvolle Leitung.
Nach ihrer theoretischen Ausbildung sollen Jungschiris meist ihre ersten Erfahrungen vor heimischer Kulisse sammeln, indem sie die E – und D-Jugend pfeifen dürfen. Aber was wird von den Jungschiris erwartet?
Sie haben gerade den Grundstock des sehr komplexen Regelwerks gelernt und sollen nun pädagogisch pfeifen.
Und dann kommt nicht nur das normale Regelwerk ins Spiel sondern auch noch die unterschiedlichen Handhabungen der RTK in den unterschiedlichen Spielklassen von der E- bis B-Jugend. Er lernt den Unterschied zwischen den einzelnen erlaubten Abwehr – und Angriffsformationen, wer wie wo einen Spielerwechsel vornehmen darf, wie die Progressionen aussehen für den MV und den Spielern, Penalty oder 7-Meter. Und pädagogisch pfeifen heißt auch, den Kleinen als Unterstützer aber auch gleichzeitig als guter Spielleiter auf der Platte zu stehen, während er gerade anfängt selbst zu lernen das Regelwerk richtig umzusetzen.

Voller Adrenalin, Lampenfieber gefühlt bei 45 Grad und ein Herzschlag spürbar bis in die Haarspitzen, der allererste Anpfiff zum Spiel und das erste Foul aber der Pfiff bleibt aus. Jetzt werden die ersten lauten Stimmen der Eltern von der Tribüne hörbar. Die Nervösität steigt weiter an beim Schiri. Und so pendelt sich das Nervenkostüm des Schiris hin und her und weiß nicht mehr wo vorne und hinten ist……… den Rest können wir uns ja vorstellen!! Die Eltern/Zuschauer haben am wenigsten Verständnis für den Jungschiri und verkraulen uns somit sehr viele Anfänger.

Für mich liegt leider hier das größte Problem, die viel zu kurze Ausbildungsphase von nur 14 – 16 Unterrichtseinheiten. An einem Wochenende wird das Regelwerk den Anwärtern versucht beizubringen. Aber das ist ein anderes Thema.

Es folgen dann die ersten Fragen vom Jungschiri vor dem allerersten Spiel, wie pfeife ich denn pädagogisch?!
Was lasse ich durchgehen und wo greife ich ein. Dies einem Jungschiri zu erklären ist nicht einfach.

 

Ich versuche es mal zu katalogisieren:


Bei den Minis, also unterhalb der E-Jugend gibt es in zb. in Hamburg die Minispielfeste. Hier heißt es in allererster Linie: Spaß haben, laufen lassen. Schritte und Prellfehler sehr wenig Beachtung schenken. Wenn es zuviel wird, dann auch mal pfeifen und dem „Mini“ erklären wie er richtig spielen darf. Bei Fouls natürlich pfeifen und auch hier deutlich erklären, was erlaubt und nicht erlaubt ist. 
Es erfolgen hier noch keine Progressionen. Falls ein Mini mal der Sache noch nicht richtig folgen kann oder auch motorisch gegenüber dem Gegner zu hart eingreift, wäre es z.b mit einem Time Out möglich, den Trainer zu bitten, diesem Spieler rauszunehmen und deutlich zu erklären, was hier falsch läuft.
Das Minispielfest ist ideal, um interessierte Schiri-Anwärter an die Pfeife zu führen.

Sollte es mal vorkommen, dass eine Mini – oder E-Jugend Mannschaft in Unterzahl anreist, dann wäre es sehr sportlich vom Gegner sich der Unterzahl anzupassen. Laut Regelwerk ist dies nach meiner Kenntnis aber nicht vorgeschrieben. Martin K. (9.5.2020) möchte sich aber hierzu informieren.

 

Bei E- und D-Jugend ist es schon sehr abhängig, wie weit die Kinder mit dem Ball zurechtkommen. Auch hier ist das Fingerspitzengefühl des Schiris gefragt. Er sollte erkennen, wie technisch versiert schon die Kids spielen. Ich lasse hier mal den einen oder anderen Schritt – und Prellfehler in der Mitte des Spielfeldes zu. Unbewusste technische Fehler lasse ich in der Regel zu, aber ich erkläre dem Spieler auch, worauf er beim nächsten mal achten muß. Denn danach pfeife ich auch beim gleichen Spieler den Fehler ab. Ich gab ihm die Chance es umzusetzen. Der Trainer weiß dann auch Bescheid und kann dem Spieler erneute Anweisungen mitteilen.
Worauf ein Schiri hier achten sollte, sind Torchancen die sich durch einen falschen Vorteil ergeben. Also durch technische Fehler im Angriffsbereich, die zu einem Tor führen könnten, sind auf jeden Fall zu pfeifen.
Was hier verstärkt zu beobachten ist, sind die falschen Sperren, die automatisch zum eigenen Schutz passieren. Hier ist auch noch mit viel Fingerspitzengefühl darauf zu achten, dass es nicht ausartet. Auch hier gebe ich den Spielern klar und deutlich zu verstehen, was erlaubt ist.
Progressive Strafen sind hier auf jeden Fall anzuzeigen, denn was Hänschen nicht lernt – lernt Hans nimmer mehr, oder anders gesagt:“ Wehret den Anfängen! „

 

Ab der C-Jugend gibt es für mich kein pädagogisches Pfeifen mehr.

 

Einen wichtigen Hinweis an alle Schiris die Jugendspiele leiten: “ Schaut euch vor jedem Jugendspiel der unterschiedlichen Klassen unbedingt die RTK an! Jede Klasse hat eine andere Angriff – und Abwehrformation je nach LV. Wo wird persönlich bestraft und wo bleibt es eben bei einer Mannschaftsstrafe?! Was passiert, wenn die RTK ein Team nicht ordnungsgemäß umsetzt?!

 

Es folgen auch hier ein paar Videos zur Veranschaulichung in meinem Videobereich. Der Link folgt

Reaktionen und Anfragen von Trainer und Schiri gewünscht!

Anmerkungen durch einen Jugend-Trainer: 
Punkt1 : Mich stört, dass einige Schiedsrichter beim zweiten Mal im folgenden Fall auf passives Spiel entscheiden:

 Die Gegner haben ein Tor erzielt und mein Torhüter (männlichen D Jugend) wirft einen „schlechten“ Pass zum Anwurf. Dieser kommt nicht an. 

Für einige Schiedsrichter entscheiden, dass er bewusst (aus taktischen Erwägungen) diesen schlechten Pass gespielt hat und zeigen das passive Spiel an.

Ich sehe das halt komplett anders:

-Er ist zwölf und nicht in der Lage, immer einen punktgenauen Pass zu spielen.

– Auf gar keinen Fall macht er dies bewusst.

-unser Spiel ist extrem schnell – wir haben daher gar nicht die Absicht das Spiel zu verzögern.

Punkt 2: „Das gleiche gilt meines Erachtens übrigens auch, wenn unser Elfjähriger vor Wiederanpfiff schon die Mittellinie überquert. Auch hier wird gerne das Vorwarnzeichen gegeben.“ (Danke Jens)

 

 

Also, meine persönliche Meinung zu Punkt 1:“  Das darf nicht als ein bewußtes passives Spiel gewertet werden. Auch wenn die Regelauslegung richtig geahndet wird, so haben wir hier eine D-Jugend, die das Gefühl für die richtige Wurflänge noch lernen muß.


Regel 7:11 Es ist nicht erlaubt, den Ball in Besitz zu halten ohne erkennbaren Versuch, anzugreifen oder ein Tor zu erzielen. Ebenso ist es nicht erlaubt, wiederholt die Ausführung eines Anwurfs, Freiwurfs, Einwurfs oder Abwurfs der eigenen Mannschaft zu verzögern (siehe Erläuterung 4). Dies ist als passives Spiel anzusehen, welches mit einem Freiwurf geahndet wird, sofern die passive Tendenz nicht aufgegeben wird (13:1a). Der Freiwurf ist an der Stelle auszuführen, an der sich der Ball bei der Unterbrechung befand.

 

Selbst im Erwachsenenbereich (Kreisebene) passieren solche Würfe. Und dann dem D-Jugendspieler passives Spiel vorhalten??? Sorry, hier sollte Fingerspitzengefühl herrschen. Sollte dem Torhüter dies zum 2. Mal passieren, dann würde ich dem TW bei einem T.O. bitten zukünftig die Bälle zum Anwurfpunkt flach zuzuspielen. Sollte er danach das 3. Mal weiter daneben schmeißen, dann würde ich auch auf passives Spiel deuten um hier einen Lerneffekt beim Trainer und TW hervorzurufen.
Zu Punkt 2:“ Für mich ist dies im allgemeinen eine falsche Auslegung des passiven Spiels. Eigentlich darf ja in solchen Situationen nicht angepfiffen werden. Ich müßte dich jetzt erst einmal fragen, wie oft hat der Schiri deinen 11 Jährigen zurückgeordert? Wenn das im Spiel mehrmals war, würde ich sagen, dass man das so pfeifen kann, ähnlich wie bei einem Freiwurf, den der Schiri mehrmals den Ausführenden oder Mitspieler korrigieren muß (Regel 7:11)!. Hier ist es dann wichtig in der wievielten Minute wir uns befinden und wer den Vorteil hat durch die zeitliche Korrektur. Denn dann ist dies auch in der D-Jugend ein Lerneffekt. Der fehlbare Spieler soll hier lernen, dass er vor dem Anpfiff nicht über die Mittellinie zu laufen hat. Jens, du als Trainer hast nun die Aufgabe deinem Spieler die Regel zu erklären!
Allgemein könnte ich die beiden Punkte auch in die Kategorie „pädagogisches Pfeifen einsortieren (Heiko)

Schreibe eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Scroll Up